Leitartikel: Kulturgesundheit – Kulturkrankheit

Auszug aus dem Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen I/2018:

Die Menschheit hat ihre Kultur. Tiere und Pflanzen haben ihre Natur. Wenn wir also von Kultur sprechen, so hat dies stets mit uns Menschen zu tun. Wir sind diejenigen, die nach bestimmten Kulturgrundlagen und Kulturprinzipien leben, die wir uns, als Menschheit, selbst geschaffen haben und schaffen. Jeder von uns ist Teil der Menschheit und lebt innerhalb dieser Kultur, ist somit Repräsentant dieser Kultur. Dies betrifft auch jene, die sagen: „Ich habe weder diese Kultur geschaffen noch Einfluss darauf, also geht sie mich auch nichts an!“

Kultur-Grundlagengesetz Nr. 1: Die Kultur einer Gesellschaft muss so gestaltet sein, dass die Gesellschaft gesund ist und im Einklang mit dem größeren Ganzen, der Natur, leben kann!

Wenn wir uns unsere heutige Gesellschaft und ihre Lebens- und Gesellschaftskultur betrachten, müssen wir feststellen, dass die bestehende Kultur krank ist und nicht im Einklang mit dem größeren Ganzen, der Natur, lebt. Hierzu einige Beispiele zur Verdeutlichung:

Unsere heutige Familienkultur ist so gestrickt, dass fast die Hälfte aller geschlossenen Ehen geschieden wird und dabei häufig Rosenkriege entstehen, in denen zudem die Kinder Zankapfel sind und darunter leiden. Eine solche Familienkultur ist nicht gesund, sondern krank. Dass eine derartige, kranke Familienkultur überhaupt entstehen konnte, zeugt davon, dass die Kultur-Führungspersönlichkeiten dieses Landes und dieser Welt nicht in der Lage waren bzw. sind, eine gesunde Familienkultur zu schaffen.

In unserer heutigen Gesellschaftskultur dominiert das Handy bzw. Smartphone. Dazu entstand eine Handy- und Smartphone-Kultur, die sich ständig weiterentwickelt. Hierbei handelt es sich um eine sehr junge Struktur im Gegensatz zur Familienkultur, die es schon viele Jahrtausende gibt, sich jedoch im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat. Die Handy- und Smartphone-Kultur hat dazu geführt, dass beispielsweise in Familien nicht mehr am Tisch miteinander gesprochen wird, sondern jeder, ob Mutter, Vater oder Kinder auf sein Gerät starrt und darauf herumtippt. Ähnliches findet man im Pausenhof an Schulen oder im Zug bzw. in der U-Bahn. Immer mehr Menschen sind Handy- und Smartphone-süchtig. Fazit: Die Kultur, die sich mit der Erfindung und Nutzung von Handys und Smartphones entwickelt hat, ist krankhaft – sie ist nicht gesund! Wer ist schuld daran? Die Führungspersönlichkeiten würden sagen: „Die Menschen selbst. Denn jeder kann allein entscheiden, ob er sein Handy oder Smartphone nutzt oder es ausschaltet.“ Dem könnte man entgegnen: „Es ist die Aufgabe der Führungspersönlichkeiten eines Landes oder dieser Welt, die Kulturstrukturen in der Gesellschaft zu überwachen und dafür zu sorgen, dass die Mitglieder der Gesellschaft zu einer modernen Erfindung eine positive, gesunde Kulturgrundlage aufbauen können.“

Immer mehr Menschen landen heute im Burnout: tiefste Depression, Nervenzusammenbruch, Todessehnsucht, schlimmste Angstzustände, Weinkrämpfe, körperlicher Zusammenbruch usw. – die Betroffenen sind körperliche, seelische und geistige Wracks und nicht mehr fähig, ein „normales“ Leben zu führen. In Österreich beispielsweise sind von der Einwohnerzahl von acht Millionen Menschen, eine Million davon betroffen und die, die darauf zusteuern, es aber derzeit noch irgendwie mit Medikamenten ausgleichen können, sind darin nicht enthalten. Dies zeugt ganz klar von einer krankmachenden Lebens- und Gesellschaftskultur. Denn nur, wenn in einer Gesellschaft eine gesunde Lebens- und Gesellschaftskultur-Grundlage besteht, können die Menschen ein Leben führen, in dem die besten Faktoren vorhanden sind, damit sie gesund sind. Auch hier könnte man die Schuld bei dem Einzelnen selbst suchen nach dem Motto: „Soll er/sie halt anders leben! Sich mehr Freizeit und Erholung gönnen. Nicht so perfektionistisch sein usw.“ Dem können wir jedoch genauso gut entgegenhalten: „Ist es nicht die Aufgabe der Führungspersönlichkeiten, den Bürgern ihres Staates oder dieser Welt eine Lebens- und Gesellschaftskultur-Grundlage zu bieten, damit sie so leben können, dass sie gesund sind?“

Dies wirft die grundsätzliche Frage auf: Wer ist für die Lebens- und Gesellschaftskultur-Grundlage einer Nation oder gar der ganzen Welt verantwortlich? Ist es der einzelne Bürger? Nein, sicherlich nicht, denn ein einzelner könnte – im Falle von Handy oder Smartphone – gar nicht durch sein persönliches Kultur-Verhalten ein Massen-Verhalten auslösen. Dies wird von anderer Stelle aus ausgelöst, z.B. durch Propaganda oder Werbung von Firmen, die diese Geräte herstellen und vertreiben wollen. In diesem Falle sind die Unternehmen selbst bzw. ihre Unternehmensführer die Auslöser. Sie wollen gute Geschäfte mit möglichst viel Profit machen, deshalb betreiben sie eine Art Gehirnwäsche, die den sogenannten „Verbrauchern“ einflößt, sie müssten auch ein Handy oder Smartphone haben und es nutzen; nur dann wären sie hip und glücklich.

Dies wirft die weitere Frage auf: Und was tut die Regierung dazu oder dagegen? Ist nicht sie das übergeordnete staatliche System, das auf seine Bürger schauen und darauf achten sollte, dass diese in einem gesunden Kulturgrundlagen-Fundament leben? So wäre es jedenfalls zu wünschen. Realität hingegen ist, dass die wirtschaftlichen Interessen über denen der Politik liegen. Somit ist der Einfluss der Wirtschaft auf die Bürger eines Landes oder dieser Welt größer ist als der der Politik.

Viele Menschen wurden und werden von wirtschaftlichen oder politischen Führern „eingeseift“, damit sie in einer Art Dämmerzustand sind und nicht bewusst mitbekommen, was wirklich vor sich geht. Jedoch gibt es heute immer mehr Menschen, die aufwachen oder solche, die schon länger aufgewacht sind (oder vielleicht nie geschlafen haben) und die gezielt Maßnahmen ergreifen, um ihre Mitbrüder und Mitschwestern aufzuwecken und ihnen bewusst zu machen, in welch krankhaften Kulturgrundlagen die meisten von uns leben. Es gibt dazu sehr gute und informative Bücher und Filme sowie Vorträge. Jedoch sollte man auch hier wachsam sein und die Spreu vom Weizen trennen, damit man nicht in eine neue Manipulation gerät.

Das Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen ist kein Medium, in dem es um Analysen oder Grundlagenforschung von Kultur-Krankheiten geht nach dem Motto: „Wie ist es dazu gekommen? Warum ist es so gekommen? Wer oder was trägt Schuld daran, dass es so gekommen ist?“ Wir gehen von der aktuellen Situation aus, d.h., dass Kultur-Krankheiten in den verschiedenen Kultur-Bereichen vorhanden sind, die dazu führen, dass Menschen krank sind bzw. krank geworden sind. Bauern z.B., die in einem kranken Landwirtschaftskultur-Bewusstsein leben, infizieren leider das, was man Natur nennt, indem sie beispielsweise Pestizide und Herbizide auf ihre Äcker sprühen oder knöcheltief Gülle und Klärschlamm ausbringen und so die Böden, Pflanzen und Tiere – aber letztlich auch Menschen – zerstören. Denn die Menschen dürfen das, was die Bauern produzieren, essen und trinken, in Form von Brot, Müsli, Kuchen, Milch, Joghurt, Käse usw. Wie würde dagegen eine gesunde Landwirtschaftskultur aussehen? Freuen wir uns über jeden Bauern, der den Mut hat, auf biologische und ökologische Landwirtschaft umzusteigen! Jetzt braucht es nur noch verstärkt Menschen, die ihrerseits den Mut und die Bereitschaft haben, ausschließlich biologische und ökologische Produkte zu kaufen, auch wenn sie ein paar Cent oder Euro teurer sind.

Mit unserem Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen wollen wir Möglichkeiten und Wege aufzeigen, wie Menschen zu einer gesunden Kulturgrundlage kommen können und worauf es dabei ankommt. Unsere Kultur-Artikel und Kultur-Porträts geben Hinweise und Anregungen für einen kulturgesunden Lebensstil.

Die Änderung vom kulturkrankmachenden zum kulturgesund machenden Lebensstil beginnt damit, dass man dem modernen, gehirnwaschenden und manipulativen Lebensstil der „unfähigen Kulturführungen“ nicht mehr folgt, sondern erkennt und anerkennt, wie krank unsere Kulturgesellschaft und unsere Natur sind. Dazu muss man die Augen öffnen und der Realität, so schockierend sie sein mag, ins Angesicht schauen und sich ihr stellen. Wir können nicht die Haltung einnehmen zu sagen: „Interessiert mich nicht! Nach mir die Sintflut!“, sondern wir sind verantwortlich für das Kulturerbe, das wir unseren Kindern und Enkelkindern sowie nachfolgenden Generationen hinterlassen.

Verantwortung zu übernehmen und zu tragen ist selten bequem, jedoch führt es zu dem, was man „bewusste Elternschaft“ nennt, in der wir nicht mehr die Kinderrolle einnehmen, obwohl wir schon längst Erwachsene sind. Werden wir verantwortungsbewusste „Kultur-Eltern“ und leben wir unseren Kindern eine gesunde Kultur vor, die ihnen die Basis bietet, ein hochwertiges, ethisches Kultur-Bewusstsein zu entwickeln.

Schloss Rudolfshausen, 14.01.2018

Helene Walterskirchen

 

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